Jan
27
2012
Schöner leben mit dem Spanischen Hofzeremoniell

Ich wurde in Österreich aufgezogen. Auf österreichische Art und Weise, spezialisiert auf Überleben am Wiener Hof. Es scheint so, dass es unter den Eltern damals weniger Sorge gab, ob das Kind denn rechtzeitig trocken sei oder entwickelt genug, sondern vielmehr, dass es zum rechten Zeitpunkt der richtigen Person auf die korrekte Art und Weise die Hand geben kann (oder eben nicht, falls nicht angemessen). Damals haben wir natürlich diese Dressur gehasst, aber, um ehrlich zu sein, heute denke ich, dass es mir sehr viel gebracht hat.

Zum Grübeln gekommen bin ich in diesem Zusammenhang beim Gespräch mit einer Kollegin, die lange Zeit im fernen Ausland arbeitete und erzählte, wie unterschiedlich doch die einzelnen Regeln sind und wie befremdlich sie es fand, dass Frauen nie direkt angesprochen werden, sondern immer erst der Mann, der quasi erlauben muss, dass die Damen auch reden dürfen. Das fand sie nicht in Ordnung.

 
Jan
13
2012
Solidarität

In unserer Stadt gibt es ein bemerkenswertes Phänomen. Ein selten zu beobachtendes obendrein. Wie Reinhard Mey dereinst sang: „Das oberste Menschenverstandskommando gibt bekannt: Vernunft breitet sich aus über die Bundesrepublik Deutschland!“

Solidarität finde ich gut. Wie ich immer sage: Wenn sich alle Menschen guten Willens zusammentäten, hätten die wenigen Fieslinge keine Chance mehr. Uns hindert ja nur die Angst daran, es zu tun. In Deutschland ist es nicht die Angst um körperliche Unversehrtheit, sondern die Furcht, Eigentum zu verlieren.
Die Wirtschaft hat uns dermaßen mit Krediten für Heimkinos, Smartphones und Riesterrenten sediert, dass wir uns alles gefallen lassen, um bloß nichts davon zu verlieren.
Beschweren tun sich immer nur diejenigen, die eh nichts haben, also vor allem junge Menschen ohne Arbeit und Familie, und die werden nicht ernst genommen. (Das hat nur ein einziges Mal, im Fall Zwentendorf, funktioniert.)

 
Dec
22
2011
Feiert ihr eigentlich Weihnachten?

Jeeeeedes Jahr um die selbe Zeit muss ich nahezu pausenlos auf die Frage reagieren: "Feiert ihr eigentlich Weihnachten?"

Zuerst hat mich das fröhlich gestimmt, weil ich dachte, erklären zu können, was das Sonnwendfest für uns bedeutet, aber mit den Jahren habe ich gelernt, nur mehr "Ja" zu sagen und reagiere ausweichend auf Rückfragen, weil meine Antwort, dass das natürlich ein (wenn nicht gar das) Fest ist, auf dem unsere ganze Kultur gründet, einfach nicht verstanden wird.

Dass unsere Vorfahren in ihren Hütten gesessen haben und inständig darauf hofften, dass die kalte Jahreszeit endlich vorbeigehen würde und alles dafür taten, damit diese ferne Aussicht auf ein wenig Wärme und neues Essen, möglichst schnell kommen würde, hat nichts, aber auch GAR NICHTS mit einem weit weg in der Wüste geborenen Juden (Wer bei dem Wort zusammenzuckt, ist selbst schuld, ich habe kein Problem mit Juden.) zu tun. Ich wiederhole: NICHTS!

 
Dec
05
2011
Verdammte Klischees

Neulich an der Schule. Ich hole meinen unlängst eingeschulten Sohn von der Ganztagsbetreuung ab und kreuze den Weg einer berfreundeten Mutter einer Mitschülerin. Sie wechselt sich mit meiner Frau ab, die Kinder zum Turnen zu bringen. Obwohl ich es in unserer multikulturellen Gesellschaft für aufdringlich halte, die Menschen meiner Umgebung ständig nach Ethnien zu sortieren, muss man hier doch anmerken, dass es sich bei der Familie um eine mit türkischem Hintergrund handelt. Das heisst auch, dass die ihre eigenen Feiertage, Bräuche und Gewohnheiten haben.

Das Wort "integrieren" zu verwenden halte ich für Unsinn, weil es meiner Meinung nach keine deutsche Gesellschaft mehr gibt, in die etwas integriert wird. Unsere neuen Mitbürger, die wir schon deshalb äusserst höflich behandeln müssen, weil wir deutschen Ureinwohner ja nicht mehr ausreichend Kinder bekommen, um das absurde Renten- und Sozialsystem in Zukunft zu tragen, sind im Begriff unsere Gesellschaft zu ergänzen. Das ist etwas ganz anderes. Wir dürfen nicht gucken, ob die sich auch ja "anständig" deutsch benehmen, sondern müssen uns selber fragen, wie wir sie und ihre Sitten in unseren Alltag einbauen können, damit ein zukunftsfähiger deutscher Staat weiterleben kann.

 
Dec
01
2011
Das Recht auf Nichtwissen

Manchmal hat man Glück und findet in den Weiten des Internets jemanden, der einem die Recherchearbeit abnimmt. Die folgende Stelle hätte ich so schnell nicht gefunden, sie untermauert aber meine Behauptung, dass Einsicht in Magie und deren Nutzung nicht erstrebenswert ist. Die Menschheit hat für sich Mechanismen entwickelt, die uns helfen, Magie zu vermeiden. Und die Argumentation in der Medizin, bzw. dem Datenschutz sind ähnlich:

[...] kürzlich las ich in einem Fachbuch über „Arbeitnehmerdatenschutz“[1] folgenden Absatz in einem Kapitel über Genomanalyse:

Als besondere Problematik kommt für den Betroffenen (…) zudem die Tatsache zum Tragen, dass die durch die Analyse frühzeitig erkannten Krankheiten zumeist nicht heilbar sind und der Betroffene ggf. unfreiwillig einen Blick in die entfernte Zukunft werfen muss, der seine Lebensdispositionen und -hoffnungen in Frage stellen kann, wobei darauf hinzuweisen ist, dass das Recht auf informationelle Selbstbestimmung auch ein Recht auf „Nichtwissen“ gewährt: Zum Kernbereich des Persönlichkeitsrechts gehört die Freiheit, selbst darüber zu entscheiden, ob man in die eigene Zukunft schauen oder auf derartige Erkenntnisse verzichten will.[2]

Wow, besser hätte ich das über Magie und den Blick in die Zukunft nicht formulieren können. Deshalb lasse ich es mal so stehen. Einfach so.
Dein Homo Magi

 
Oct
14
2011
Bart ab

Ich finde es spannend, wenn religiöse Randgruppen ihre "Angelegenheiten" intern regeln. Es gibt wohl auch nichts, was so interessante Schlagzeilen macht, wie eine ausser Rand und Band geratene Sekte. Das BILDungsbürgertum ist gleich alarmiert: Denn da wird bestimmt geschubst, gemobbt, gepeitscht, gesteinigt und vor allem: geschwiegen. Wenn da mal nicht für jeden Geschmack etwas dabei ist!

Das Besondere daran ist nämlich, dass es unwirklich erscheint, es ist ja nur eine sehr weit weg und abgedreht seiende kleine Gruppe, die man selber noch nie gesehen hat und mutet so bekannt an, wie klingonische Paarungsriten oder so ...

Dass es auch uns Hexen fasziniert, liegt an zwei Dingen: zum ersten lieben wir Tratsch, besonders über Menschen, gegenüber denen wir uns überlegen fühlen können (auf bescheidene "Ich will mich ja nicht einmischen, aber ..." -Art) und zum anderen lieben wir das große Drama. Deswegen werden die in Hexenforen üblichen rechthaberischen Querelchen auch gleich als "Witch Wars", als "Hexenkriege", bezeichnet. Finde ich übertrieben. Weil es noch nie eine friedliche Lösung oder einen Waffenstillstand gegeben hat, weil keine Hexe zu Lebzeiten jemals einer anderen recht geben würde, je älter sie ist, desto schon gar nicht mehr.

 
Sep
21
2011
Finsterstes Mittelalter now

"Bevor Papst Benedikt XVI. Mitte August zum Weltjugendtag nach Madrid reiste, versprach der Vatikan allen Besuchern einen vollkommenen Ablass ihrer Sünden."

Das.

Kann.

Doch.

Nicht.

Wahr.

Sein.

 
Sep
19
2011
Gemeinsam oder getrennt marschieren?

Zu meinem Beitrag, in dem ich schrieb, dass mein Sohn aus Betreuungsgründen in die katholische Schule muss, kam dankenswerterweise ein Kommentar, der mich zu einer längeren Antwort inspiriert:

"Kann er dann wenigstens in die konfessionslose Richtung wechseln, wenn er alt genug ist, ein Schlüsselkind zu sein?"

Dazu gibt es zwei Sichtweisen: Entweder man möchte sein Kind von allen "fremden" Einflüssen fern halten, damit es nicht selbst zu viel nachdenken kann und brav funktioniert, wie von den zwölf Feen vorgesehen oder man versucht es auf die Welt mit ihren vielen Aspekten vorzubereiten. Beides hat Vor- und Nachteile.

 
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© 2012 Raphael Salazar Toteles
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