September 2009

Dienstag 29 September 2009

Überzeugungen
Sep
29
2009

Alruna schrieb:

"Ich will dich nicht von deiner Überzeugung abbringen, kann ich wahrscheinlich auch nicht, möchte dich nur zu weiteren Nachforschungen animieren."

[was meint sie damit?]
[Sie setzt mich höflich davon in Kenntnis, dass sie mich für einen Sturkopf hält, die Hoffnung aber nicht aufgibt, dass ich einmal Einsicht erlangen könnte.]
[eine kluge frau, aber woher weiß sie das?]
[Ihr seid unfair. Für mich ist der einzige Grund eine Diskussion zu beginnen, entweder andere oder mich selbst zu überzeugen.]
[wirklich?]
[Na klar. Ich bin kein Exhibitionist. Es geht mir doch nicht darum, einfach nur meine überlegene Sicht der Dinge schön zu präsentieren und auf den Applaus zu warten. Dann wäre ich gleich Politiker geworden. Die versprühen immer diese spröde Hochnäsigkeit, dass bloß niemand versuchen solle, ihnen etwas zu erzählen, ansonsten würden sie aber so was von mit den Augen rollen müssen...]
[warum bist du nicht politiker geworden? wo du doch immer meinst, es besser zu können...]
[Schwierig. Ich bin nicht verlogen und boshaft genug, um mich in dem Haifischbecken Parlamentarismus zurecht zu finden, glaube ich. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu faul und feige, mich da durchzukämpfen.]
[meinst Du nicht, es gibt auch andere?]
[Den guten und weitsichtigen Anführer, der sich kümmert?]
[genau]
[Der letzte seiner Art wurde vor 42000 Jahren in Österreich erwürgt. Er hatte wider dem Zeitgeist die Diskussion angeregt, mit den Neandertalern zusammen zu arbeiten, anstatt sie immer gleich zu erschlagen.]
[tsts, immer diese österreicher...]

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Montag 28 September 2009

Krise? Ja ... aber schöner
Sep
28
2009

Ich wollte beginnen mit dem Satz, dass jedes Volk bekommt, was es verdient. Aber diese Worte sind ein Ausdruck gleichgültiger Hoffnungslosigkeit. Und Aufgeben liegt mir nicht.

Die Kanzlerin der Deutschen hat ja schon vor der Wahl gesagt, wo sie hin will. Für sie sei die Krise erst vorbei, wenn alles wieder so ist, wie vor der Krise. Das hat sie wirklich gesagt. Ganz im Ernst.
Das heißt, sie wird erst ruhen, wenn wir die Zustände wiederhergestellt haben, die für die sogenannte Weltwirtschaftskrise verantwortlich waren. Nur mit den zusätzlichen Milliarden-Bürgschaften und -Schulden, die selbst sie nicht wegzaubern wird können.

Vielleicht bin ich unfair. Denn da haben wir mal einen Politiker, der etwas versprochen hat, wovon wir ausgehen, dass er es auch halten wird. Die Lobbyisten brauchen dafür noch nicht mal mehr den Arm aus dem Loch vom Westerwelle rauszuziehen, der spielt jetzt auch mit.

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Sonntag 27 September 2009

Einheit, Impfschutz, Brüderlichkeit
Sep
27
2009

Arvid schrieb:

"Ich war schon immer gegen Impfungen, mein Sohn ist nicht geimpft und unser 2. Kind, dass wir in wenigen Tagen erwarten, wird natürlich auch nicht geimpft werden."

Ich will Dir und dem Artikel, den Du hier verlinkt hast, teilweise zustimmen. Unnötige Tierversuche sind nicht zu tolerieren. Ebenso ist es ein Skandal, dass wir erkranken, bloß weil Tiere profitabler gezüchtet werden. Ich kaufe mir deshalb nach Möglichkeit Fleisch vom Schlachter des Vertrauens und vermeide 0815-Hack. Und fange meine eigenen Fische, um den gezüchteten Anabolikabomben aus dem Weg zu gehen.

Seit Jahren leide ich an Unverständnis, dass der Mensch zwar bereit ist, tausende Euro auszugeben für einen immer noch größeren Fernseher, aber beim Fleisch und Gemüse spart er. Es war Pispers, glaube ich, der sinngemäß sagte: "Es ist dem Deutschen wichtiger, billige Erdbeeren zu Weihnachten kaufen zu können, als Mitgefühl zu haben mit dem unterbezahlten, zu Überstunden gezwungenen LKW-Fahrer, der auf das Stauende auffährt, weil für den gemeinen Wahlberechtigten die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet er am Ende dieses Staus steht, sehr gering ist."

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Dienstag 22 September 2009

Der Wunsch als Vater des Gedanken
Sep
22
2009

Die Menschheit will belogen werden. Das ist eine altbekannte Weisheit.

Ein Staat (also eine freiwillige Gemeinschaft von Menschen) kann nur dann gesund existieren, wenn die Mitglieder nicht alles wissen. Die Presse enthüllt manchmal Kleinigkeiten, die zwar harmlos sind, die den geneigten Bürger aber empören sollen. Wir wussten doch vorher schon, dass die Politiker Dienstwagen und Flugbereitschaften nicht privat ausnutzen dürften, aber ist das wirklich so entsetzlich? Da gibt es echt dringlichere Kummerquellen. Die Pressefreiheit setzt uns so etwas in fetten Lettern vor, damit wir glauben, es bliebe nichts im Verborgenen, dank der tapferen investigativen Journalisten.

Mich als Hexe interessiert natürlich alles. Einerseits habe ich gelernt, dass man unterscheiden soll zwischen unwichtigen und wichtigen Meldungen, das steht schon in der Job-Description für Hexen, andererseits will ich wissen, was meine Mitmenschen beschäftigt. Und wenn das nun mal schwangere Schlagersänger, Formel 1-Rennen und Modelexzesse sind, dann hilft mir diese Erkenntnis weiter.

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Montag 21 September 2009

Blues of Change
Sep
21
2009

Wenn der Herbst das Land erobert und die Blätter anfangen, sich zu verfärben, dann bekomme ich jedes Jahr auf’s Neue den Blues.

Ich hab den Der-Sommer-War-Schön-Aber-Der-Herbst-Ist-Auch-Schön-Und-Bald-Ist-Schon-Winter-Bluuuues.

In den letzten Tagen stand ich schon mal länger am Fenster und sah den Blättern beim Fallen zu. Mehr als im Winter nutze ich diese Erntezeit, um über das Jahr und mein Betragen zu reflektieren und es gelingt mir, erstaunlich viele Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten zu entdecken. Und das mir! Wo ich doch immer alles richtig mache. Deshalb habe ich auch den Warum-Merke-Ich-Nicht-Wenn-Ich-Mich-Wie-Ein-Trampel-Benehme-Bluhuhues.

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Dienstag 15 September 2009

Jo Uuk
Sep
15
2009

Mein aktuell favorisierter Traumgefährte ist ein Gorilla.

Ich war heute Nacht in einem Zoo. Dort habe ich mich von einem Wärter herumführen lassen, der mir alle Tiere zeigte. Eigentlich war alles wie immer, mal nette Tierchen, mal welche, die einem wegen der gestohlenen Freiheit leid tun, aber gerade als ich zum Ausgang wollte, weil ich dringend zur Arbeit musste, da kreuzte von rechts ein schlurfender Gorilla meinen Weg. Ein für seine Verhältnisse dünnes Männchen mit hängenden Schulter, das irgendetwas in den Bart brabbelt.

Ich sehe den Wärter fragend an und der sagt: "Das ist unser Gorilla, der spricht nur bayrisch."

Und tatsächlich verstehe ich dann, was der sagt: "Klumpats vermaledeites, wenn i den dawisch ..."

Da bemerkt er mich und fragt: "Is wos?"

Ich deute nur zum Ausgang und sage: "Ich wollte gerade gehen."

Er zuckt mit den Schultern und meint: "Passt scho."

Den hätte ich gerne als Krafttier, aber ich bin lachend aufgewacht und dann war er schon wieder weg.

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Montag 14 September 2009

Was ist wirklich wichtig?
Sep
14
2009

Ein gesunder Mensch hat viele Wünsche, ein kranker nur einen. So heißt es.

Seit ich Kinder habe, ist mir mein eigenes Wohl nicht so wichtig, noch dazu, wo der Lebenserhalt der Familie nicht von meiner Arbeitskraft abhängig ist, wegen all der Versicherungen. Deshalb sind mir meine Kinder wichtiger, als meine Gesundheit.

Während meiner Rekonvaleszenz hatte ich viel Zeit, mich über das Fernsehprogramm zu ärgern. Ich hege den Verdacht, dass es nur deshalb so schlecht ist, um die eigentlich arbeitsfähigen Menschen von der Couch hin zur Arbeit zu treiben, weil man das einfach nicht aushalten möchte. Das ist aber ein Rohrkrepierer, weil es heutzutage mit DVDs, Internet und Alkohol viele Möglichkeiten gibt, die mit bemerkenswerter Misanthropie und Zerstörungswut zusammengestellten Programme, zu umgehen bzw. zu ertragen.

Ein schöner Bericht auf Arte hat mich aber gefesselt, nämlich eine Doku über ein abgelegenes Dorf im Himalaya. Dort sind die Sommer kurz und die Winter lang und hart. Solche Menschen haben ganz andere Präferenzen als wir und keine Zeit für Schnickschnack. Wenn man erst mal eine Stunde in die Denkweisen eintaucht, dann verliert man das Interesse an den Kleinigkeiten, die uns vorantreiben oder die uns ärgern.

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Donnerstag 03 September 2009

Die Sonne ist weiblich
Sep
03
2009

Hat sich schon einmal jemand Gedanken gemacht, warum nur die deutsche Sprache die Sonne als weiblich und den Mond als männlich beschreibt?

Ich glaube, es gilt sogar als modern unter Hexen, entgegen dem Duden, dies umzudrehen und „die Mondin“ zu sagen oder so ähnlich. Das klingt dann zwar holprig und wird von einem wissenden Lächeln begleitet, als wüsste der Geschlechtsverdreher mehr, als der Zuhörer, aber es wird im Allgemeinen widerspruchslos akzeptiert.

Dabei finde ich es im Schuldeutsch genau richtig rum. In Rom und Ägypten musste man die Sonne einem männlichen Gott zuordnen, aber das waren Macho-Patriarchate. Selbst die Pharaoninnen benahmen sich männlicher als ein Kampfhahn in der Legebatterie.

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© 2010 Raphael Salazar Toteles
RST