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Mai 2011
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Montag, den 16. Mai 2011 um 10:07 Uhr
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| In den letzten Wochen unterwarf ich mich einem Selbstexperiment. Ich schickte meine Familie auf Urlaub und blieb selbst daheim. Zum ersten Mal seit zwei Jahren bin ich mehrere Wochen am Stück alleine. Diesmal war ich vorbereitet, mit Stift und Papier, willens, diese Zeit der Entbehrung zu dokumentieren.
Die erste Woche unterschied sich noch kaum von der normalen Zeit vorher. Ich kam spät von der Arbeit, warf mich vor den Fernseher und schlief ein. Am Wochenende ist mir dann aber doch etwas aufgefallen: Die Küche und das Bad roch nicht mehr sehr frisch und ich stolperte ständig über Zeugs, das am Boden lag. Das unrasierte Kinn kratzend stand ich vor dem leeren Kühlschrank und wunderte mich. Wieso gab es nichts zu essen und warum zum Henker ist hier nirgendwo Platz, um etwas hinzustellen und die sauberen Tassen sind auch schon alle? Ich beschloss, meine Verwunderung aufzuschieben trottete aus der Küche und fiel in irgendein Wohnmöbel.
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Montag, den 09. Mai 2011 um 07:58 Uhr
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| Bitte nehmen sie ihren Hut ab. Ich bin Jude. Ich muss einen Hut tragen. Sie sind hier in einer christlichen Kirche, hier nimmt man seinen Hut ab. Jesus war Jude. Jehova ist UNSER Gott. Aber hier muss man den Hut abnehmen. Wieso? Das ist bei uns so. Nun, ich werde es nicht tun. Mein Glaube verbietet es mir. Dann muss ich Sie bitten, zu gehen. Wie viele Juden wurden in dieser Stadt enteignet, getötet oder vertrieben? Das weiß ich nicht. Sehr bedauerlich. Es waren fast 3000. Das tut uns sehr leid. Aber ich muss Sie bitten, trotzdem zu gehen. Das werde ich nicht. Wie sie genau wissen, wurde IN VOLLEM EINVERSTÄNDNIS der christlichen Gemeinde das enteignete Geld dafür verwendet, damit ebendiese Kirche hier instand gehalten wird. Jedes Gebetsbuch, das ihr aufschlagt und jeden Orgelton, den ihr anschlagt, haben miese Gewalttaten mitfinanziert. Da es in den Büchern steht, bin ich mir sicher, dass sie das auch wissen. Bitte gehen Sie. Wie unsensibel kann man eigentlich sein? Ihr tötet Juden, um euren Palast hier zu finanzieren und habt dann echt den Nerv, bekennende Juden hinauszuwerfen? Wie mies und schamlos muss man sein, um seine unsterbliche Seele mit so einer Schande zu belasten?
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Freitag, den 06. Mai 2011 um 08:32 Uhr
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| Aberglaube ist für mich immer ein großes Thema. Wer mein Hexenblog verfolgt, weiß, wie sehr ich den Leichtsinn, unsinnigen Riten und vorgefertigten Unwahrheiten zu folgen, verdamme. Die sogenannten Weltreligionen bauen nahezu ihr gesamtes Dogma auf so etwas auf. Und bevor jemand schreit: Ja, ich gebe zu, wir sogenannten „Heiden“ tun es auch viel zu oft. Unsere finsterste Stunde haben wir einem solchen Moment der Schwäche zuzuordnen. Da kam ein dahergelaufener Irrer in wallenden Gewändern und verklärtem Blick vorbei und betrat die Hochburg der Germanen, um eine billige Wette zu gewinnen...
Ich versuche diese Geschichte seit einem Jahr einzubauen, aber es ist mir nicht gelungen, weil ich ye olde headdeskheaddesk nicht unterdrücken kann, wenn ich daran denke. Aber als ich meinen Kindern unlängst aus „Germanische Götterwelt für Kinder“ vorlas und bei der gefällten Eiche ankam, sahen sie mich fassungslos an und stellten eine Menge Fragen und wenn Kinder das verstehen, dann hoffentlich wohl auch meine Leser.
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© 2012 Raphael Salazar Toteles
RST
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