September 2010

Mittwoch 08 September 2010

Das Kreuz im Kreißsaal
Mittwoch, den 08. September 2010 um 11:13 Uhr
Sep
08
2010

So gut wie jeden Tag stehe ich zufrieden auf und danke allen Göttern[1] für die Gnade, eine gesunde Familie, ein stabiles Dach über dem Kopf und genug zu essen zu haben, in Sicherheit zu leben und auch sonst auf kaum einen Wohlstand verzichten zu müssen.
In ihrer unergründlichen Weisheit haben sich dieselben Götter dann wohl gedacht, dass Glück dort am besten aufgehoben ist, wo es ohnehin schon vorhanden ist und deshalb bekommen wir demnächst noch ein weiteres, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder großartiges, neues Kind.

Und da geht es auch schon los mit der Interreligiösität: In welches Krankenhaus geht man denn so? Wir waren bisher bei jedem Kind in einer anderen Stadt und aus Gründen der örtlichen Nähe immer im städtischen Klinikum, aber diesmal stehen drei zur Auswahl. Und die beiden eindeutig besseren sind nun mal christliche Häuser. Wir haben uns nach Augenschein ziemlich schnell für das von den Maltesern getragene entschieden. Die waren sauber, ein ganz netter engagierter Arzt, entspannte Atmosphäre und was am allerwichtigsten für meine Frau zu sein schien: es gab einen schönen Frühstücksraum.

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Montag 06 September 2010

Die Sammler
Montag, den 06. September 2010 um 10:01 Uhr
Sep
06
2010

Es regnet. Ich stehe mit einem dampfenden Tee in der Hand vor dem Küchenfenster und sehe dem grauen Treiben draußen zu. Ich mag Regen und Herbstwetter sowieso. Wenn der erste Dunst über die Felder und Wiesen schleicht und die noch warme Sonne zärtlich scheint, nur durch einen nach nasser Erde und Laub riechenden Wind abgekühlt, dann sortiert sich unser Leben neu.

Der Hochsommer steht für eine Zeit des Müßiggangs, wenn das Jahresrad sich aber weiter dreht und die Tage merklich kürzer werden, dann bemerke ich eine neue Lust darauf, aktiv zu werden. Ich sortiere Papierkram, erledige aufgeschobene Arbeiten, putze an Orten, wo ich im Sommer noch nicht hingekommen bin und versuche herauszufinden, was ich eigentlich noch alles tun könnte.

Voriges Jahr um die Zeit hatte ich mir gedacht, es sei an der Zeit, mal wieder raus in die Welt zu gehen und mich mit anderen Hexen zu treffen. Zu lange war ich jetzt schon in meinem Elfenbeinturm gesessen und theoretisierte, aber nun drängt es mich nach weiteren Feldversuchen im Territorium. Die Kinder sind auch älter, schlauer und interessierter geworden, wo ist denn mein vielbeschworenes Dogma hin vom "Religion in den Alltag einbauen"?

Kurzum, ich musste raus und meine Leute treffen. Und was macht die moderne Hexe dann? Richtig: Sie geht ins Internet.

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© 2012 Raphael Salazar Toteles
RST